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So

28

Dez

2008

Pilze mit Pelikangeschmack - Max Goldt liest und signiert

Wohin führt uns die Erderwärmung? Wie begegnet der Gast dem aufdringlichen Plusquamperfekt des Kellners in einem Berliner Restaurant? Das sind Fragen, welche die Existenz in den Grundfesten berühren. Der Schriftsteller Max Goldt stellt sich diesen Fragen, öffentlich in Lesungen wie jüngst nach Weihnachten im Hamburger Schauspielhaus, und er scheut vor Antworten nicht zurück. 

Um Frage eins gleich aufzulösen: Pelikane verlagern ihren Lebensraum nach Deutschland und sammeln Pilze, die sie in ihren Kehlsäcken abtransportieren. Der dabei an den Pilzen entstehende Haugout wird von einem Sternekoch aus Baiersbronn hoch geschätzt. Und was das Plusquamperfekt angeht (ob denn der Gast zufrieden "gewesen" sei) hilft eine rasch dahingenuschelte An- oder Erwiderung im gleichen Tempus.

Eine Wanderung auf den Seelower Höhen inspiriert Max Goldt zu neuen Gedanken über die Entwicklungsgeschichte der Umhängetasche. Dabei ist ihm kein Bogen zu weit, wenn seine Ab- und Rückschweifungen bis in die Bronzezeit reichen. Goldt beobachtet seine Umgebung und das Geschehen in gedruckten und elektronischen Medien haargenau und überspitzt, sprachlich messerscharf bis ins Absurde. Wer keinen Sinn für das Detail hat, für Skurriles und Absurdes, wird an den Texten wenig Freude haben. Seine Texte beginnen gebündelt und verlieren sich bald in zahlreichen sprachlichen und thematischen Abzweigungen und mitunter auch in Sackgassen. Letzteres dann, wenn er sagt, dieser Text sei noch unvollendet, ein Fragment oder "diesen Schluß muß ich noch einmal neu schreiben". Goldt führt in seinen Texten auch vor: den Bildungsspießer mit seinen geheiligten Büchern, die infantile, sexuell unterversorgte mittelalte Frau mit Bärchen am Reißverschluß des Rucksacks. Ein wenig von sich selbst findet der Zuhörer oder Leser immer. Vergnügliche zwei Stunden Unterhaltung bieten Goldts Lesungen. 

Dagegen ist der Eintrittspreis, der in etwa dem monetären Gegenwert dreier Schachteln "Kurmark Filter" entspricht, als preiswert zu bezeichnen. Das Bild entstand während der anschließenden Signierstunde im Foyer des Hamburger Schauspielhauses.